Innere-Kind-Arbeit– alte Wunden verstehen und sich selbst neu begegnen
- Katja Lenz

- vor 3 Minuten
- 4 Min. Lesezeit
Vielleicht kennst du Situationen, in denen du plötzlich sehr emotional reagierst, obwohl es gar nicht zum Anlass passt.
Bestimmte Menschen oder Situationen treffen den "besonderen Nerv", eine deiner alten Verletzungen, und *zack*, ein altes Muster springt an.
Vielleicht reagierst du
mit Wut,
mit Tränen,
mit Trotz
mit Rückzug.
Im Nachhinein fühlt sich das dann vielleicht nicht gut an:
du schämst dich für deinen Wutausbruch, deine Tränen, deinen Trotz,
du stellst dich selbst in Frage,
du musst vielleicht deinem Mann oder deiner Freundin innerlich recht geben: Du hast eigentlich überreagiert.
Hier kann die Arbeit mit dem inneren Kind ein wertvoller Weg sein.

Was bedeutet „inneres Kind“ eigentlich?
DAS innere Kind gibt es aus meiner Erfahrung eigentlich nicht. Es gibt meist viele Innere Kinder. Diese Inneren Kinder sind Anteile von uns, die im Laufe unserer Sozialisation Verletzungen erfahren haben. Oftmals sind diese Verletzungen so stark, dass wir diese Anteil "wegpacken", uns nicht mehr erinnern. Doch damit packen wir eben auch wertvolle Ressourcen von uns weg.
Wir erleben als Kind die Welt aus unserer Kindersicht. Wir sind darauf angewiesen, dass andere Menschen, in erster Linie unsere Eltern, uns Sicherheit, Liebe, Geborgenheit, Nähe, Aufmerksamkeit und Anerkennung geben.
Das ist leider aber nicht die Realität. Wir beurteilen dann Erlebnisse aus unserer Kindersicht. Insbesondere in kritischen Momenten denken und beschließen wir etwas, was sich dann manchmal sehr negativ auf unser Leben auswirken kann.
Wenn du dich nicht gesehen fühlst, kann daraus resultieren, dass du der Meinung bist, dass du nicht wichtig bist. Ein beschränkender Glaubenssatz wird geboren.
Wenn du spürst, dass deine Eltern überfordert sind, ziehst du dich vielleicht zurück, weil du das Gefühl hast, du bist zu viel. Daher beschließt du, dass du stark sein und alles allein schaffen musst.
Es können sich aus unseren Erlebnissen Überzeugungen entwickeln, wie zum Beispiel:
„Ich muss stark sein.“
„Ich darf keine Fehler machen.“
„Ich muss es allen recht machen.“
„Meine Bedürfnisse sind nicht so wichtig.“
„Ich bin nur etwas wert, wenn ich etwas leiste.“
„Ich darf meine Gefühle nicht zeigen.“
Diese Gedanken begleiten uns noch viele Jahre später, ohne dass wir bewusst wissen, woher sie eigentlich kommen.
Wenn die Vergangenheit im Heute auftaucht
Nicht jede starke Reaktion hat ihren Ursprung in der aktuellen Situation.
Vielleicht sagt jemand etwas völlig Harmloses – und trotzdem fühlst du dich plötzlich abgelehnt.
Vielleicht bittet dich jemand um etwas und du kannst kaum „Nein“ sagen.
Vielleicht bekommst du Kritik und zweifelst sofort an dir selbst.
Solche Reaktionen können ein Hinweis darauf sein, dass eine alte Verletzung berührt wurde.
Die Innere-Kind-Arbeit möchte diese Gefühle nicht wegdrücken. Stattdessen geht es darum, sie wahrzunehmen, zu verstehen und liebevoll anzunehmen.
Was brauchen deine Inneren Kinder?
Sie möchten gesehen werden. Und sie brauchen noch immer das, was sie damals in den eigentlichen Situationen gebraucht hätten, es aber nicht bekommen haben.
Eine wichtige Frage kann sein:
„Was hätte ich damals gebraucht?“
Vielleicht waren es Sicherheit, Verständnis, Anerkennung, Nähe oder einfach das Gefühl:
„Du bist gut, so wie du bist.“
Als Erwachsene können wir lernen, uns diese Bedürfnisse heute selbst ernst zu nehmen.
Das bedeutet nicht, die Vergangenheit ungeschehen zu machen.
Es bedeutet vielmehr, die eigene Geschichte mit neuen Augen zu betrachten und sich selbst heute das zu geben, was früher vielleicht gefehlt hat.
Du darfst heute anders mit dir umgehen
Vielleicht hast du als Kind gelernt, deine eigenen Bedürfnisse zurückzustellen.
Heute darfst du lernen, dich selbst zu fragen:
Was brauche ich gerade?
Vielleicht brauchst du eine Pause.
Vielleicht möchtest du eine Grenze setzen.
Vielleicht möchtest du „Nein“ sagen.
Vielleicht brauchst du einfach jemanden, der dir zuhört.
Selbstfürsorge beginnt oft genau dort: bei der Erlaubnis, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen.
Innere-Kind-Arbeit bedeutet nicht, in der Vergangenheit zu leben
Es geht nicht darum, ständig nach alten Verletzungen zu suchen oder die eigene Kindheit für alles verantwortlich zu machen.
Vielmehr kann es darum gehen, Zusammenhänge zu erkennen:
Warum reagiere ich so?
Was steckt hinter meinem Verhalten?
Welche alten Glaubenssätze begleiten mich?
Und wie möchte ich heute mit mir selbst umgehen?
Diese Erkenntnisse können neue Möglichkeiten eröffnen.
Denn sobald wir etwas bewusst wahrnehmen, können wir beginnen, es zu verändern.
Du bist heute nicht mehr das Kind von damals
Vielleicht ist das eine der wichtigsten Erkenntnisse:
Du bist heute erwachsen.
Du hast heute Möglichkeiten, Entscheidungen zu treffen und Grenzen zu setzen, die du als Kind nicht hattest.
Du darfst dir selbst Sicherheit geben.
Du darfst deine Bedürfnisse wichtig nehmen.
Du darfst Fehler machen.
Du darfst dir Unterstützung holen.
Du darfst Nein sagen.
Und du darfst dein Leben so gestalten, dass es sich für dich richtig anfühlt.
Deine Vergangenheit gehört zu deiner Geschichte.
Aber sie muss nicht deine Zukunft bestimmen.
Vielleicht ist heute der Moment, deinem inneren Kind zuzuhören – und gleichzeitig der erwachsenen Frau in dir zu erlauben, ihr Leben selbst in die Hand zu nehmen.
In meinem Coaching erhältst du die Gelegenheit, deinen inneren Kindern in einem geschützten Rahmen zu begegnen. Gemeinsam schauen wir uns deine Geschichte, die hinter deinem konkreten Thema steht, an. Du verstehst dein damaliges und auch dein heutiges Verhalten. Du verstehst die Situationen aus allen wichtigen Perspektiven und kannst neue Schlussfolgerungen für dich ziehen. Glaubenssätze können umformuliert werden. Und du kannst das, was dir vorenthalten wurde und das, was du verloren hast, zurückholen.
Oftmals werde ich gefragt, ob es nicht sinnvoller ist, die Vergangenheit ruhen zu lassen.
Meine Antwort: Der Schmerz schwelt im Hintergrund und bestimmt dich und dein Leben. Von Zeit zu Zeit wird er getriggert.
Mit unserem Verstand können wir uns "beruhigen" ud Erklärungen finden. Doch im Körper fühlt es sich oft noch anders an. Mithilfe deines Körpers und inneren Bildern können wir jedoch erreichen, dass deine Themen wirklich eine Lösung finden.
Weitere Impulse findest du hier:
Hinweis: Innere-Kind-Arbeit kann persönliche und belastende Erfahrungen berühren. Bei starken oder traumatischen Belastungen kann professionelle therapeutische Unterstützung sinnvoll sein.




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